Ausgehend von archäologischen Funden und wissenschaftlichen Forschungsergebnissen werden die Techniken der Bronzehandwerker der Kupfer-, Bronze- und Eisenzeit, der römischen Epoche und des Frühmittelalters nachvollzogen. Mit rekonstruierten Gussanlagen, Werkzeugen und Hilfsmitteln stellen wir Nachgüsse von Originalfunden her, bearbeiten diese und setzen sie praktisch ein.
Die dabei gesammelten Erfahrungen geben uns ein besseres Verständnis für die Arbeit der frühen Bronzegiesser.
In der späten Bronzezeit hatte sich europaweit ein einheitlicher Typ von Ofen für den Guss von Bronzeobjekten bis ca. 2 kg Gewicht verbreitet. Das Kernstück ist eine gekrümmte Düse aus Ton, welche die Luft von den ledernen Blasebälgen auf den Tiegel führt, der in einer kleinen, mit Holzkohle gefüllten Grube steht. Der Tiegel wird mit Kupfer oder auch Bronzeresten von vorherigen Güssen gefüllt, mit Holzkohle bedeckt und unter kontinuierlicher Luftzufuhr über die Blasebälge auf die Schmelztemperatur gebracht. Kupfer schmilzt bei 1083°C, die Zugabe von Zinn senkt den Schmelzpunkt. Mit Hilfe einer Holzzange wird der Tiegel mit der flüssigen Bronze aus der Glut genommen. Die Bronze ist zum Zeitpunkt des Gusses etwa 1100°C heiss. Die Gussformen sind ein- oder zweiteilig, aus Sandstein, Speckstein oder Bronze und mehrfach verwendbar. Es gibt auch den Guss in eine "verlorene" Form, welche aus Ton ist, aus dem zuvor ein darin eingebettetes Wachsmodell ausgeschmolzen wurde, und die nach dem Guss zerschlagen wird. Der Guss in Sand ist ebenfalls denkbar, aber archäologisch schwer nachzuweisen. Nach dem Guss müssen der Gusszapfen und allfällige Gussgrate entfernt werden. Bei Messern, Dolchen, Schwertern oder Sicheln wird die Schneide gehämmert, damit sie an Härte gewinnt, und anschliessend geschliffen. Bei Nadeln, Fibeln oder anderen Schmuckgegenständen findet ebenfalls durch Hämmern weitere Formgebung statt.