Birkenrindenteer war sozusagen der "Alleskleber der Steinzeit". Es handelt sich dabei um eine schwarze, klebrige Masse, die sich im erhitzten Zustand hervorragend verarbeiten lässt, vergleichbar mit den modernen Heissklebern. Die Herstellung von Birkenteer ist nicht unaufwendig: Hierfür wird die weisse äussere Schicht der Birkenrinde einer sogenannt "trockenen Destillation" unterzogen, das heisst, das Material wird unter Luftabschluss für etwa eine Viertelstunde auf 300-400 Grad Celsius erhitzt, ich verwende hierfür eine Retorte aus Eisenblech. Bei diesem Verschwelen zersetzt sich nun die Rinde und es entsteht aus dem Kondensat eine pechartige, zähflüssige oder ölige Masse. Je nach dem, wie vollständig die gasförmige Phase kondensiert wurde, erhält man eine brenzlig riechende Mischung flüchtiger und teerartiger Stoffe. Dickt man diese Masse unter weiterem Erhitzen in einem offenen Gefäss ein, verdampfen die übelriechenden Verbindungen und der reine, asphaltartige Teer bleibt zurück, welcher im Idealfall aromatisch und beinahe süsslich riechen kann.
Diese heisse Masse kann nun mit einem Stück Holz auf das zu klebende Objekt aufgetragen werden, worauf der Teer abkühlt und eine dauerhafte Verbindung schafft. Im kalten Zustand ist der Teer überraschend hart, zäh und witterungsbeständig.
Ein Wort zur Handhabung: Birkenpech klebt effektiv wie Pech, bewährt hat sich die Verarbeitung mit befeuchteten Fingern, dann haftet die Masse etwas weniger an der Haut. Zur Entfernung von dieser Masse wird ein Lösungsmittel oder eine Sandseife empfohlen.
Ein Wort zur Anwendung: Es sind archäologische Funde bekannt, wo ein Stück Birkenteer augenscheinlich als "Kaugummi" Verwendung fand. Aus heutiger Sicht würde ich davon abraten, denn Verschwelungsprodukte organischen Materials beinhalten häufig einen interessanten Cocktail verschiedener zum Teil hochgradig toxischer und karzinogener Stoffe ...